Capgras-/Cotard-Syndrom – Ist Vorwissen Hilfreich?

Das Capgras-Syndrom ist eine psychische Krankheit die den Betroffenen glauben lassen kann, dass nahe-stehende Personen durch Doppelgänger ersetzt wurden.

Ursache können Gehirnverletzungen sein. Vermutlich arbeitet die Region welche für die Erkennung von Gesichtern zuständig ist, und die Region welche für die Emotionsgenerierung verantwortlich ist nicht mehr zusammen. Deswegen passiert es, dass Patienten die Gesichter von Verwandten und Freunden zwar erkennen und ihnen auch die richtigen Namen zuordnen können, auf Grund der fehlenden Emotionen allerdings nicht glauben, dass es die echten Personen sind. Die fehlenden Emotionen sind für die Patienten Grund zur Annahme, dass die erkannten Gesichter nicht die echten seien.

Es gibt Betroffene die berichten, dass all ihre Bekannten durch Klone oder Aliens ausgetauscht wurden.

Des Weiteren kann es ebenfalls passieren, dass Betroffene von sich selbst glauben ein Doppelgänger zu sein. Da sie ebenfalls bei Betrachtung ihres eigenen Gesichts keine Emotionen fühlen.

Das Cotard-Syndrom ist sehr nah mit dem Capgras-Syndrom verwandt.

Der Auslöser ist vermutlich ebenfalls eine Trennung zweier Gehirnregionen. Informationen werden zwischen der Amygdala, welche die Gesichtserkennung gewährleistet, und den limbischen Strukturen welche die Emotionsentstehung steuern, nicht mehr ausgetauscht.

Symptom ist allerdings nicht, dass der Betroffene glaubt ein Doppelgänger zu sein. Vielmehr denkt der Betroffene dass er nicht am Leben sei, in einen leeren Körper ohne Organe lebt oder gerade am Verwesen ist.


Behandelt werden Patienten dabei oft mittels Kombination von psychologischer Aufarbeitung und pharmakologischen Mitteln.

Ein Problem bei der Behandlung ist es, dass die Patienten den Ärzten oft nicht glauben, dass es eine Krankheit ist, da sie ebenfalls Denken, dass die Ärzte keine echten Menschen seien. Da die Patienten in den meisten Fällen vor ihrer Erkrankung nichts von dieser Krankheit wussten, ist es schwer für sie zu glauben, dass es eine solche Krankheit gibt.

Die Frage ist, ob jemand der über solche Krankheiten vor der Erkrankung bescheid weiß und mit diesem Wissen erkrankt, ein Arzt, Psychologe oder vielleicht auch Laie der darüber gelesen hat, sich selbst klar machen könnte, dass es eine Krankheit ist und dass die Menschen die er zwar erkennt aber für unecht hält, doch echt sind? Wäre der Patient der schon vor seiner Erkrankung darüber Bescheid weis, in der Lage den Ärzten dann zu glauben. Könnte er mit ihrer Unterstützung ohne aufwendige Therapien und vielleicht ohne Medikamente lernen damit zu leben?


 

Das Cotard Syndrom wird in diesem Buch ab Seite 67 und das Capgras Syndrom ab Seite 102 sehr gut beschrieben. Es enthält weitere sehr seltene und interessante Syndrome und Wahne.

1 Antwort

  1. Angelika Kircher sagt:

    Interessanter Artikel! Meiner Meinung nach würde eine Aufklärung über die verwandten Krankheitsbilder Capgras Syndrom/Cotard Syndrom für den Heilungsprozess des Patienten nur bedingt Erfolg versprechen, da die Syndrome häufig im Rahmen einer anderen Grunderkrankung (Depression, Schizophrenie) auftreten.
    Zu beachten ist, dass diese beiden Syndrome meist im Rahmen von endogen-depressiven, schizophrenen oder organischen Psychosen beobachtet worden sind.
    Das Cotard Syndrom z.B kann verschiedene Schweregrade zeigen: Die nihilistischen Ideen reichen von der Überzeugung, dass der Patient seinen Verstand oder seine Organe ( v.a Darm, Gehirn) verloren hat, bis hin zum Extremfall, in dem der Patient seine eigene Existenz verneint. In unserer Psychiatrie Vorlesung heute wurde ebenfalls thematisiert, dass die Dauer jenes Cotard Syndroms von der Grunderkrankung des Patienten abhängig ist. Taucht das Syndrom im Rahmen einer schizophrenen Psychose auf, so ist es meist von kurzer Dauer und spricht gut auf antipsychotische Medikation an. Auch Elektrokrampftherapie stellt einen wertvollen Therapieansatz dar. Im Gegensatz dazu zeigt sich das Cotard Syndrom im Rahmen von depressiven Störungen als sehr therapierefraktär und nimmt meist einen chronischen Verlauf an. Hier kommen atypische Neuroleptika zum Einsatz, die allerdings weniger erfolgsversprochen sind, sodass die Suizidgefahr extrem hoch ist. Die Therapie der beiden Syndrome besteht in der Therapie der Grunderkrankung ( z.B der Depression oder der Schizophrenie).

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