Unser Geldsystem … mal einfach erklärt

Euro

Geld wird allgemein als anerkanntes Tausch- und Zahlungsmittel definiert. Doch so logisch und leicht sich diese Definition auch anhören mag, Geld ist noch viel mehr. Nicht nur, dass die Volkswirtschaftslehre dem Geld weitere Funktionen wie  z. B. Wertbewahrungs- oder Wertmaßstabfunktion zuspricht. Geld kann sogar Religionscharakter annehmen. So sieht es beispielsweise Prof. Dr. Franz Hörmann, der in dem Geldsystem eine Religion, genauer eine geheime Staatsreligion, sieht.

Doch was steckt dahinter?

Wer unser aktuelles Geldsystem verstehen will, sollte zuerst verstehen, dass das anfangs allgemein definierte Geld, das Tausch- und Zahlungsmittel, kurzweiligen Charakter hat. Geld kann als temporäres, flüchtiges Werttransfermittel verstanden werden. Geld existiert dabei nur, wenn es einen Gläubiger und einen Schuldner gibt. Die Währungsreformen, Bankenkrisen und Börsencrashs der Vergangenheit zeigen, dass das simple Verständnis von Gläubiger und Schuldner nicht verstanden wird. Diese Tatsache sollte immer beachtet werden, wenn von Geld die Rede ist. Besonders deutlich wird die Tatsache des Unverständnisses hinsichtlich der Berichterstattung in unseren Medien. Dabei ist immer die Rede von Überschuldung. Nie ist die Rede von Geldvermögen, welches den Schulden entgegensteht.

„Doch wer schuldet wem was… und wer ist der Gläubiger?“

 

Anbei ein kleiner Exkurs, der ein besseres Verständnis über Geld vermitteln soll.

Geldbasis – Die monetäre Basis des Geldsystems

Geldbasis oder Geldmenge M0 kann als Geldmenge bezeichnet werden, die vom der Zentralbank in Umlauf gebracht wird. Vereinfacht kann man sagen, dass die Geldbasis alle Positionen beinhaltet, deren Höhe die Zentralbank durch Ausgabe von Bargeld und Festlegung der Mindestreserve beeinflussen kann. Die Funktion der Geldbasis wird durch folgende Tatsachen deutlich. Einerseits benötigen Wirtschaftssubjekte Zentralbankgeld aufgrund der Zahlungsmittelfunktion andererseits benötigen Geschäftsbanken für die Mindestreservepflicht Zentralbankgeld. Beide Funktionen werden durch die monetäre Geldbasis erfüllt.

Des Weiteren gibt es weitere Geldmengendefinitionen (Geldmengenaggregate; M1, M2, M3). Diese Definitionen beinhalten neben dem von der Zentralbank ausgegebenen Bargeld die von den Geschäftsbanken bereitgestellten Einlagen.

Geldmenge – Wie Geld klassifiziert wird

Geldmenge kann als Geldbestand aller Nichtbanken (d.h. aller Firmen, aller Privatleute usw.) definiert werden. Unter die Geldmenge fallen beispielsweise Bargeld, Spareinlagen oder Schuldverschreibungen. Der Geldmenge kommt eine wichtige ökonomische Funktion zu, da diese Einfluss auf die zukünftige Preisentwicklung hat. Das Eurosystem unterscheidet drei Geldmengenaggregate. Je nach Grad der Liquidität wird zwischen den sogenannten Aggregaten unterschieden. M1, M2 und M3; bei M1 ist der Liquiditätsgrad am größten.

Geldentstehung und -vernichtung – Geld aus dem Nichts

Wird die Geldmenge vermehrt spricht man von Geldschöpfung, wird sie verringert, spricht man von Geldvernichtung. In unserem heutigen Geldsystem findet die Geldschöpfung durch die Zentralbank (Zentralbankgeld) oder das Banksystem (Giralgeld oder auch Buchgeld genannt) statt.

Zentralbanken können Zentralbankgeld schaffen, indem Sie einer Geschäftsbank einen Kredit gewähren oder ein Vermögenswert abgekauft wird. Dies geschieht mit Geld der Zentralbank, welches aus dem nichts entsteht. Die Zentralbank hat weder für dieses Geld gearbeitet noch wurde es irgendjemandem weggenommen. Das Geld wurde geschaffen, durch einen einfachen Buchungssatz. Dies ist möglich, da unser Geldsystem auf einem Monopol basiert. Geschäftsbanken können ihre Sichteinlagen (Guthaben mit kurzer Laufzeit bei der  Zentralbank) in Banknoten und Münzen (gesetzliches Zahlungsmittel) auszahlen lassen. Zudem können sie das Bargeld weiter an Kunden auszahlen. So wird das Zentralbankgeld, welches aus dem nichts entstanden ist, weitergereicht. Zahlt die Geschäftsbank den Kredit an die Zentralbank zurück, spricht man von Geldvernichtung. Die Rolle die der Zentralbank dabei zukommt, ist die eines Spielleiters. Wenn irgendwann nur noch ein Spieler das ganze Geld hat ist das Spiel vorbei.

Geschäftsbanken können ausschließlich Buchgeld schaffen. Sie können kein Zentralbankgeld und damit auch keine Banknoten und Münzen schaffen. Buchgeld der Geschäftsbanken entsteht durch Kreditgewährung. Genauer durch die Kreditvergabe an Nichtbanken. Wie auch bei der Zentralbank kann Buchgeld durch die Rückzahlung des Kredites vernichtet werden. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Geschäftsbank das Buchgeld aus dem nichts schaffen. Entscheidend für diese Form der Geldschöpfung ist die Mindestreserve. Die Mindestreserve gibt den Rahmen vor indem die Banken Geld abrufen können. Möchte eine Bank 100€ von der Zentralbank, muss die Bank vorher 1€ bei der Zentralbank hinterlegen. Diese ist im Bankwesen ein Pflichtguthaben, die Kreditinstitute kraft Gesetzes bei ihrer Zentralbank unterhalten müssen. Eine Erhöhung des Mindestreserve-Satzes verringert das Geldschöpfungspotenzials der Geschäftsbanken und umgekehrt. Die Folge ist, dass Banken bei einer Erhöhung der Mindestreserven weniger Kredite vergeben können und umgekehrt. Das Eurosystem kann durch geldpolitischen Instrumente, wie z. B. die oben erwähnte Mindestreserve, die Geldschöpfung der Geschäftsbanken beeinflussen und steuern. Zudem haben Vorschriften seitens der Bankenaufsicht Einfluss auf die Geldschöpfungen der Geschäftsbanken. Geld bekommt nur der, der kreditwürdig und kreditfähig ist.

Gesetzliches Zahlungsmittel

Das gesetzliche Zahlungsmittel ist das Zahlungsmittel, das niemand zur Erfüllung einer Geldforderung ablehnen darf. Dabei dürfen nur Zentralbanken im Eurosystem Euro-Bargeld in Umlauf bringen. Das Euro-Bargeld ist das gesetzliche Zahlungsmittel im Euroraum.

Banknoten sind das einzige unbeschränkte lautende gesetzliche Zahlungsmittel.

Euro-Münzen sind ein beschränktes gesetzliches Zahlungsmittel. Niemand ist verpflichtet mehr als 50 Münzen oder Münzen im Wert von über 200 Euro anzunehmen.

Denken wir nun an unser tägliches Leben, fällt den meisten auf, dass beispielsweise das Brötchen beim Bäcker meist mit Bargeld (gesetzliches Zahlungsmittel) bezahlt wird, dagegen aber die meisten größeren Transaktionen über das Banken- und Buchgeldsystem abgewickelt werden. Laut Bundesbank war im November 2014 das Gesamtvolumen der Sichteinlagen (Buchgeld) im Euroraum mit 4.858 Milliarden Euro mehr als fünfmal so groß wie der Bargeldumlauf mit 957 Milliarden Euro. Buchgeld, wie z. B. das was man im Online-Banking auf dem Girokonto sieht, ist kein gesetzliches Zahlungsmittel. Die meisten Leute sind sich dieser Tatsache nicht bewusst. Andere hoffen auf die Bank, die Sichteinlagen jederzeit in Bargeld umtauschen könnte. Problematisch zu erwähnen wäre ein Bank-run, bei dem irgendwann nicht mehr genügend Bargeld vorhanden wäre… und was dann?

„Hat hier der Gesetzgeber eine Anpassung hinsichtlich der Definition des gesetzlichen Zahlungsmittels verpasst?“

Zurück zu Prof. Dr. Franz Hörmann, der von einer geheimen Staatsreligion spricht.

Festzuhalten ist, dass der Gesetzgeber, als gesetzgebende Instanz, klar definiert hat, was gesetzliche Zahlungsmittel in Euroraum ist.

Festzuhalten ist auch, dass das Geld, welches aus dem nichts entsteht im Allgemeinen als werthaltig angesehen wird. Allein der Glaube/Vertrauen an die Werthaltigkeit und die damit in Verbindung stehende Akzeptanz in der Gesellschaft macht das Geld zu dem was es ist.

„Das Geldsystem selbst funktioniert nur wenn die Menschen daran glauben“

 

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